Von guten und schlechten Zeiten

Eingebettet in eine wunderschöne Landschaft erzählt Barcelona eine Geschichte, die über 2.000 Jahre alt ist. In keiner anderen Stadt gibt es derart viele Bauwerke, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Kulturell hat man hier eine Auswahl aus über 90 Museen, jeder Menge spannender Gebäude, vielen Parks & Grün-flächen und vielfältigen Stadtteilen. Jährlich besuchen 7,8 Millionen Urlauber die Stadt, eine Zahl, die beweißt wie attraktiv diese Metropole am Mittelmeer ist. Der Tourismusboom hat aber auch Schattenseiten: In der Innenstadt bewegt man sich zwischen dem Lärm von Kofferrollen und lautem Geschrei durch die Gassen. Auf den Ramblas ist man schon längst   

auf die Touristen aus aller Welt eingestellt - hier reiht sich ein Lokal an das andere, ein jedes mit Smoothies, veganem Eis und hippen Fast Food im Angebot. In klassischen Stadtteilen rangiert ein Hotel/Hostel nach dem anderen, wobei der Großteil des AirBnB-Angebots bereits wieder reduziert wurde. Auch wir hatten im Anschluss an unseren Pilgerweg im doch rustikalen und etwas ursprünglichen Norden Spaniens (2017) den Eindruck Barcelona sei "überfüllt". Zu neu waren noch die Eindrücke, die man als Pilger in einem ganzen Monat auf der Iberischen Halb-insel macht. Erst zurück in Wien und aus der Distanz betrachtet, konnte ich die Schönheit der Stadt verstehen.


Top 10 Places-to-be

Montjuïc

Der Montjuïc ist der Hausberg Barcelonas und dessen grüne Lunge. Er war auch unsere erste Station als wir in der spanischen Metropole ankamen. Es gibt zwei verschiedene Erzählungen wie der Berg zu seinem Namen kam: Die erste Geschichte besagt, dass sich zu Zeiten der römischen Siedler hier ein Tempel namens "Mons Jovis" (Berg des Jupiter) befand. Die zweite Geschichte geht auf das Mittelalter zurück, nachdem sich auf der Südseite des Berges ein jüdischer Friedhof namens "Montjueu", was übersetzt "Judenberg" heißt, befand.

 

Auf dem Gipfel des Berges befindet sich das Castell, eine Festung aus dem 17. Jahrhundert, welche durch die damaligen kastilischen Besatzer als Verteidigungsanlage genutzt wurde. Zu Zeiten Francos war die Festung ein Militärgefängnis - unter anderem auch für politische Häftlinge. Heute befindet sich in der Festung das militärhistorische Museum.

 

Auf dem weitläufigen Areal des Montjuïc finden regelmäßig Konzerte und Ausstellungen statt und ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen gleichermaßen.

 

Font Màgica & Plaça d'Espanya

Der Font Màgica (Magischer Brunnen) ist ein Springbrunnen im Stadtteil Montjuïc in Barcelona. Der Brunnen befindet sich am Fuße des Palau Nacional, in dem sich heute das Museu National d'Art de Catalunya befindet, und wurde anlässlich der Weltausstellung von 1929 an der Plaça d’Espanya errichtet. Sein Name ist auf das Wechselspiel von Formen (Wasser), Farben (Licht) und Ton (Musik) zurückzuführen. Auf einer Fläche von 50 × 65 Meter ergießen sich aus über 3.600 Düsen rund 2.600 Liter Wasser pro Sekunde. Das Musikprogramm deckt dabei ein weites Spektrum ab; es reicht von klassischer und moderner Musik bis hin zu Filmmusik großer Werke.

Das gotische Viertel

Viele enge und verwinkelte Gassen prägen das Stadtbild des Gotischen Viertels. Der Mittelpunkt des Viertels bildet die Kathedrale La Seu, um die sich etliche sonnige Plätze mit geschichtsträchtigen Gebäuden versammeln. Mehrmals wurde das Viertel von Grund auf saniert, zuletzt zu den Olympischen Spielen 1992. Aber auch heute noch wird die alte Bausubstanz liebevoll und aufwändig erhalten.

 

Einige der schönsten und bekanntesten Museen befinden sich in dem mittelalterlichen Viertel. Im Gotischen Viertel gibt es nur wenige befahrene Autostraßen, sodass man das Barri Gòtic sehr gut zu Fuß erkunden kann.

La Sagrada Familia

Das Aussehen des außergewöhnlichen Bauwerks "Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Família" (Basilika und Sühne-tempel der Heiligen Familie) gehen auf die unkonventionellen Vorstellungen des katalanischen Architekts Antoni Gaudí zurück, der das Stadtbild Barcelonas wesentlich prägt. Die Kirche ist die meistbesuchteste Sehenswürdigkeit der Stadt und über die Grenzen Spaniens hinaus weltweit bekannt. Ihr Bau ist bis heute unvollendet. Er wurde 1882 begonnen und soll 2026 zum 100. Todestag von Gaudí fertiggestellt werden. 

Las Arenas

Mit der Eröffnung des Einkaufszentrums "Las Arenas" im Jahre 2011 hat Barcelona eine neue Attraktion hinzugewonnen. Auf insgesamt sechs Etagen verteilen sich 115 Geschäfte, ein Fitnesscenter, ein Kino, eine Veranstaltungshalle und mehrere Bars & Restaurants innerhalb der gelungen restaurierten und wunderschönen (im im Neo-Mudéjarstil* erbauten) Fassade einer ehemaligen Stierkampfarena. Besonders schön ist auch die Aussicht vom Dach des Hauses: hier hat man einen 360°-Rundumblick über die Stadt und den Montjuïc.

 

*Mudéjaren waren Muslime, die nach der Vertreibung der Mauren unter der Herrschaft spanischer Könige lebten. Da sie hauptsächlich in der Landwirtschaft und im Kunsthandwerk tätig waren, hatten die Mudéjaren großen Einfluß auf die spanische Baukunst. Der Mudéjar-Stil verknüpft Bauformen aus der islamischen Architektur mit denen der Romantik, der Gotik oder Renaissance und erlebte im 14. Jahrhundert seine Blütezeit. Unter dem Neo-Mudéjarstil versteht man demnach die Wiederbelebung des alten Mudéjar-Stils im 19. Jahrhundert und den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts.

Park Güell

Die wunderschöne Anlage gehört zu den bekanntesten Sehens-würdigkeiten Barcelonas und wird als Antoni Gaudís Hommage an die Natur bezeichnet. Den Salamander, das Wahrzeichen des Parks, der die Besucher am Haupteingang freundlich begrüßt, hat man vielleicht auch schon auf dem ein oder anderen Barcelona-Souvenir gesehen. 

 

Inspiriert von der altgriechischen Architektur erbaute Gaudí eine Markthalle nach dem Vorbild des Tempels von Delphi. Die Halle stützt mit ihren vielen Säulen die Hauptattraktion des Parks: Die große Terrasse mit Blick über die gesamte Stadt. Vergnügt bunt schlängelt sich dort die Bruchkeramik über eine gewundene Bank weiter in gemütliche Plaudernischen.

 

Die umliegende Grünanlage, ein von liebevollen Details geprägter Märchengarten, ist ein originell in die Landschaft eingefügtes Gewirr aus Wegen, Laubengängen, Viadukten, Mauern und Brücken.

Port Vell

Lust auf Meer? Wunderbar, denn allen Maritim-Liebhabern hat Barcelona einiges zu bieten: eine kilometerlange Strand-promenade, den Olympischen Hafen mit seinen Sport-booten sowie den Port Vell, der Alte Hafen.

 

Die Geschichte des Hafens reicht zurück bis ins 4. Jahrhundert vor Christus, als die Laietani, die damals in der Gegend siedelten, anfingen Handel über den Seeweg zu treiben. Die erste Hafenanlage, die Schiffen Schutz vor Stürmen und Wellen bieten konnte, wurde allerdings erst im 15. Jahrhundert erfolgreich errichtet. Im Zuge der Stadterneuerung für die Olympischen Spiele 1992 wurde das Gebiet des Alten Hafens schließlich vollständig renoviert.

 

Es lohnt sich den Hafen zu Fuß zu erkunden. Als Verlängerung der Rambla führt ein Steg übers Wasser – die Rambla del Mar. Sie hat einen Holzboden, der in leicht geschwungener Form angebracht ist und so an die Wellen des Mittelmeers erinnert. Am Ende der Rambla del Mar befindet sich auf einer Art Halbinsel das „Maremagnum“ – ein markantes gläsernes Shopping-Center, das sieben Tage die Woche geöffnet hat und auch mehrere Restaurants und Bars beherbergt.

 

Wer weiter spaziert, kann zahlreiche Segelboote und Luxus-yachten bewundern, die hier ihre Anlegestellen haben. Kurz bevor man dann auf die Hauptstraße gelangt, erhebt sich auf der rechten Seite der wunderschön gestaltete Palau del Mar, in dem sich das Museum der Geschichte Kataloniens befindet – das Gebäude bildet quasi die Grenze zwischen Port Vell und dem Stadtteil Barceloneta.

Barceloneta

Der Stadtteil Barceloneta liegt am Ende des Hafenviertels und ist bei den Einwohnern von Barcelona und bei den Touristen gleichermaßen beliebt. Die schönsten Strände der Stadt befinden sich hier und verbinden an der Uferpromenade den alten Hafen (Port Vell) mit dem neuen Hafen (Port olimpic).

 

In den Gründerzeiten war dieses Gebiet nicht bewohnt und erst Mitte des 18. Jahrhunderts begannen einige Fischer sich hier niederzulassen. Fabrikgebäude entstanden und immer mehr billiger & illegaler Wohnraum entstand. Erst die Olympischen Sommerspiele 1992 brachten viele bauliche Veränderungen mit sich: Die Fabriken wurden abgerissen und die Gegend komplett renoviert. Heute kann man in dem ehemaligen Fischerviertel mediterranes Urlaubsflair inmitten der Metro-pole Barcelona genießen. Im Inneren wie auch direkt bei der Strandpromenade gelegen gibt es viele Bars & Restaurants.

Casa Milà (La Pedrera)

Das Casa Milà ist das letzte Bauwerk von Gaudí, bevor er sich vollständig dem Bau der Sagrada Família widmete. Das Wohn-gebäude liegt im Stadtteil Eixample und ist eines der schönsten Bauwerke des Modernsime.

 

"La Pedrera" heißt übersetzt "das Steinbruchhaus". Diesen Kosenamen bekam das Casa Milà wegen der ungewöhnlichen Bauweise. Die großen Steinplatten der Fassade wurden zu-nächst angebracht und dann von Steinmetzen bearbeitet. Die Fassade mit seinen unregelmäßigen Formen erinnert auch ein wenig an einen Steinbruch: Die Front des Hauses wirkt wie ein massiver Felsen, der nur durch Wellenlinien und aus Eisen geschlagenen Ornamenten aufgelockert wird. Der helle Stein und die ansonsten farblose Fassade unterscheidet den Bau von allen anderen Werken Gaudís und wirkt sehr expressionistisch. Das Haus besteht aus zwei Teilhäusern, die nur durch die Fassade, das Erdgeschoss und das Dach miteinander ver-bunden sind. Jedes Haus hat einen eigenen Hof und Eingang.

Hospital Sant Pau

Mit der Absicht, dem Menschen und der Gesundheit zu dienen, erschuf der Architekt Lluis Domènech i Montaner vielmehr Gesamtkunstwerk als Krankenhaus: Inmitten von Brunnen, bunten Blumenbeeten, Rosskastanien, Linden- und Orangen-bäumen, liegen die fast 30 Gebäude der Krankenhausanlage in einem Park und man befindet sich quasi in einer "Stadt in der Stadt".

 

Eine Besonderheit der Anlage besteht darin, dass alle Gebäude unterkellert sind, um schnelle (Liefer)wege zu gewährleisten; da ja bekanntlich warme Luft nach oben zieht, wurde die Anlage zudem an einem Gefälle angelegt, sodass die Bakterien und Vieren der Patienten über den Durchzug des Lüftungs-systems weggezogen wurden. Auch durch die geothermischen Installationen, die in Form von fast 400 Brunnen mit über 100 Meter Tiefe die Wärmeversorgung verschiedener Pavillons gewährleisteten, ist die Anlage ein Beispiel für nachhaltiges Bauen und einen effizienten Energiehaushalt.

 

Rund 80 Jahre herrschte in der Anlage Krankenhausbetrieb - bis er in den 1930er Jahren in das neue Krankenhaus direkt nebenan übersiedelte. Seitdem steht die historische Anlage (inklusive der Krankenzimmer) Besuchern offen.

Picasso Museum

Pablo Picasso verbrachte in jungen Jahren einige Jahre in Barcelona und studierte an der angesehenen Kunstakademie "La Llotja", an der sein Vater Professor war. Im Picasso-Museum sind vor allem Arbeiten aus seiner Jugend ausgestellt, aber auch etliche Werke aus den späteren Schaffensphasen des Künstlers.



Unser Barcelona-Fazit

Das Fazit nach drei Tagen in Barcelona? Wir werden auf jeden Fall zurückkehren. Zu vieles haben wir einfach nicht geschafft. Mit einem Hop on-Hop off-Bus sind wir am letzten Tag unseres Aufenthalts durch die Stadt getourt - um mit einem schlafenden Luca direkt an der Sagrada Familia vorbei-zufahren. Ihn aufzuwecken und anschließend noch zum Park Güell zu spazieren, nur weil es als Tourist Pflichtprogramm ist, war nicht meine Absicht, nachdem wir ohnehin in den 2 Tagen zuvor bereits 10 km zu Fuß quer durch die Stadt zurückgelegt hatten. Mit seiner gelungenen Mischung aus Sonne, Strand, Meer, weitläufigen Grünflächen & Parkanlagen sowie faszinierender Architektur hat Barcelona auf jeden Fall ein Platz in meinem Herzen! Im Großen und Ganzen würde ich bei einem erneuten Barcelona-Besuch auch die fehlenden Sehenswürdigkeiten nicht zwingend nachholen wollen, sondern viel eher die Stadt einfach unbeeindruckt auf mich wirken lassen und das Leben der Bewohner Kataloniens in mich aufnehmen.