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Verdammt sei die »Bucket List«

Vor einer Woche hielt ich sie in meiner Hand: die Kündigung. Ich darf nun offiziell bekanntgeben, dass ich Studien-abbrecherin bin! Aber fangen wir einmal von vorne an. Studiert habe ich eigentlich schon immer oder zumindest seit sich diese fixe Idee bei mir festgesetzt hat. Das begann zu Schulzeiten, als ich nach meiner Mittleren Reife weitere zwei Jahre in einem Wirtschaftsgymnasium verbrachte, welches ich verlassen musste, weil ich eine eigene Wohnung hatte, die bezahlt werden musste. Quasi nach dem Motto "Ich war jung und brauchte das Geld" begann ich eine Lehre zur Rechtsanwalts-fachangestellten; damals war ich gerade 18 Jahre alt. Nach 3 Jahren Ausbildung und einem sehr guten Abschlusszeugnis in der Tasche, wollte ich mir selbst beweisen, dass noch mehr ging. Und so begann ich ein nebenberufliches Studium im Fach Wirtschaftsrecht. Meine Tage waren damit von Montag bis Samstag komplett verplant. Das machte mir aber nichts aus, denn ich tat es für mich. Ich hatte ein klares Bild von meiner Zukunft vor Augen: ich sitze in der Rechtsabteilung eines großen Konzerns, setze Verträge auf und prüfe Rechtsfragen. Ich sah mich also genau die Dinge tun, die Juristen tun. Das sollte sich mit Geburt von Luca ändern. Ich bemühte mich an meiner Zukunftsvorstellung festzuhalten, stellte aber bald fest, dass ich mich damit nicht mehr anfreunden kann. Ich war fortan auf der Suche nach einer neuen Perspektive. In Folge traf ich eine Reihe von Entscheidungen, die damit zusammen-hängen, dass ich in meiner neu gewonnen Rolle als Mutter mein Wertesystem neu aufsetzte.   

 

Nach 10 Jahren in diversen Anwaltskanzleien hatte ich einfach nur das dringende Bedürfnis diese Ära zu beenden. Im Jahr 2016 machte ich mich also auf zu neuen Ufern und wechselte ich die Immobilienbranche. Ich muss sagen, die Immobilien-branche ist eine sehr interessante Branche, die durch ihre Eigendynamik besticht. Die ganze Sache hat allerdings einen kleinen Haken: ich dachte, die Veränderung, die ein neuer Job mit sich bringt, würde mir genügen. Mitnichten! Der Wunsch, mein Leben müsse sich von Grund auf neu strukturieren, hängt nach wie vor wie ein Damoklesschwert über mir. Es ist nicht so, dass mein Leben derzeit keinen Reiz auf mich ausübt; aber das Maß an Verantwortung, das ich als Mutter mehr trage, hat scheinbar irgendeinen - wenn nicht sogar mehrere - Knoten in meinem Inneren gelöst und ich bin seither ein Quell voller kreativer Ideen, für die mir die Zeit fehlt sie umzusetzen. So entstand meine ganz persönliche Bucket List, die es nun gilt abzuarbeiten. Ein Punkt ist - und der ist klar: eine Weltreise machen!


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